Bürokratie wird zur Wachstumsbremse für das Handwerk

Ergebnisse einer Umfrage der Kreishandwerkerschaft MK zur Bürokratiebelastung im Handwerk

Bürokratie zählt seit Jahren zu den größten Belastungen für das Handwerk. Eine aktuelle Umfrage der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis unter rund 1.000 Innungsfachbetrieben zeigt deutlich: Dokumentationspflichten, langwierige Genehmigungsverfahren und immer komplexere gesetzliche Vorgaben binden erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen. Rund jeder 10. Betrieb beteiligte sich an der Umfrage und lieferte damit ein aussagekräftiges Stimmungsbild aus der handwerklichen Praxis.

Abgefragt wurden zentrale bürokratische Themenfelder des betrieblichen Alltags, darunter Dokumentations- und Nachweispflichten, Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren, rechtliche und steuerliche Vorgaben, Arbeitsschutz, Datenschutz, Fördermittel, öffentliche Ausschreibungen, Umweltauflagen sowie bürokratische Anforderungen im Bereich der Ausbildung. Ergänzend hatten die Betriebe die Möglichkeit, ihre Erfahrungen, konkrete Beispiele und Verbesserungsvorschläge zu schildern.

Die Bewertung erfolgte anhand des Schulnotensystems (1 = geringe Belastung, 6 = sehr hohe Belastung). Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Nahezu alle abgefragten Themenfelder erreichen im Durchschnitt die Note 5 und werden damit als stark belastend bewertet.

Bürokratie bindet wertvolle Arbeitszeit

Besonders kritisch beurteilten die Betriebe Dokumentations- und Nachweispflichten sowie Genehmigungsverfahren. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer berichteten, dass Gefährdungsbeurteilungen, Unterweisungen, Prüfprotokolle, Datenschutzdokumentationen sowie zahlreiche Meldungen und Nachweise gegenüber Behörden einen erheblichen Verwaltungsaufwand verursachen. Viele gaben an, inzwischen mehr Zeit mit der Dokumentation als mit ihrer eigentlichen Arbeit zu verbringen.

Ebenfalls als besonders belastend werden Arbeitsschutz, steuerliche Vorgaben und rechtliche Vorschriften bewertet. Die Kritik richtete sich dabei ausdrücklich nicht gegen den Zweck der Regelungen, sondern gegen deren Umfang, Komplexität und die Vielzahl erforderlicher Nachweise. Vor allem kleine und mittlere Handwerksbetriebe empfinden die Anforderungen häufig als unverhältnismäßig.

Ein weiterer Schwerpunkt der Umfrage lag auf der Bearbeitungsdauer behördlicher Verfahren. Zahlreiche Betriebe berichteten von monatelangen Genehmigungsverfahren, langen Wartezeiten bei Schwertransportgenehmigungen oder komplizierten Förderverfahren. Die Folgen sind verzögerte Projekte, gebundene Kapazitäten, Umsatzverluste und zusätzliche Kosten.

Die Bürokratie verursacht nach Angaben der Betriebe erhebliche wirtschaftliche Belastungen. Neben zusätzlichem Personal- und Verwaltungsaufwand entstehen Kosten für externe Beratung, Schulungen und Prüfungen. Verzögerte Genehmigungen führen zudem zu Projektverschiebungen, Umsatzverlusten und gebundenen Kapazitäten. Einzelne Betriebe beziffern ihre Bürokratiekosten auf mehrere tausend Euro pro Jahr.

Ein deutliches Signal senden die Betriebe auch hinsichtlich der Digitalisierung: Digitale Verfahren werden ausdrücklich begrüßt – allerdings nur dann, wenn sie tatsächlich zu Vereinfachungen führen. Gefordert werden einheitliche digitale Portale, medienbruchfreie Verfahren, weniger unterschiedliche Plattformen sowie ein besserer Datenaustausch zwischen Behörden. Digitalisierung darf aus Sicht der Betriebe nicht dazu führen, dass bestehende Bürokratie lediglich digital abgebildet oder sogar ausgeweitet wird.

Klare Erwartungen an Politik und Verwaltung

Die Umfrage macht deutlich, dass Bürokratie eine der größten strukturellen Herausforderungen des Handwerks ist. Die Kritik richtet sich nicht gegen einzelne Gesetze oder Behörden, sondern gegen die Summe der Vorschriften, Dokumentationspflichten und Verwaltungsverfahren, die den betrieblichen Alltag zunehmend erschweren. Besonders kleine und mittlere Handwerksbetriebe verfügen häufig nicht über eigene Verwaltungsabteilungen. Die bürokratischen Aufgaben werden daher unmittelbar von Unternehmerinnen und Unternehmern sowie ihren Fachkräften übernommen – zulasten von Produktivität, Wertschöpfung und Kundenservice.

Die Ergebnisse zeigen zugleich klar auf, welche Erwartungen das Handwerk an Politik und Verwaltung richtet: weniger Dokumentations- und Nachweispflichten, schnellere und einheitliche Genehmigungsverfahren, praxistaugliche Regelungen, eine konsequente Digitalisierung sowie mehr Vertrauen und Eigenverantwortung anstelle zusätzlicher Kontrollbürokratie. Ein wirksamer Bürokratieabbau würde nicht nur die Betriebe entlasten, sondern zugleich Fachkräfte freisetzen, Investitionen erleichtern und die Wettbewerbsfähigkeit des Handwerks nachhaltig stärken.

„Die Ergebnisse der Umfrage sind ein deutliches Signal aus der handwerklichen Praxis. Unsere Betriebe wollen sich auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren, stattdessen verbringen sie immer mehr Zeit mit Formularen, Nachweisen und Verwaltungsaufgaben. Bürokratieabbau ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass unsere Betriebe auch künftig wettbewerbsfähig bleiben und genügend Zeit für ihre Kunden und die Ausbildung junger Menschen haben“, so Markus Märtens, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft MK.

Um die Ergebnisse der Umfrage in konkrete Handlungsempfehlungen zu überführen, richtet die Kreishandwerkerschaft einen Arbeitskreis ein. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Innungsfachbetriebe sollen die identifizierten Problemfelder weiter vertieft und konkrete Lösungsvorschläge erarbeitet werden. Ziel ist es, praxisnahe Vorschläge zu entwickeln und diese gegenüber Politik, Verwaltung und weiteren Entscheidungsträgern einzubringen. Die Umfrage bildet hierfür die Grundlage und den Auftakt eines kontinuierlichen Dialogs mit dem Handwerk vor Ort.

Zudem wurden die Ergebnisse auch an Dr. Bernd Schulte, Staatssekretär für Bundesangelegenheiten und Medien sowie Amtschef der Staatskanzlei des Landes NRW, übermittelt, mit dem die Kreishandwerkerschaft den Austausch zum Thema Bürokratieabbau fortsetzen und die Ergebnisse des Arbeitskreises teilen wird.

Handwerk, das begeistert: Konditoren feiern ihren Ausbildungsabschluss

Leidenschaft, Kreativität und handwerkliches Können: Was die jungen Konditorinnen und Konditoren in den vergangenen Ausbildungsjahren unter Beweis gestellt haben, wurde bei der Freisprechungsfeier der Konditoren-Innung Südwestfalen gebührend gefeiert.
Gleichzeitig zeichnete der Deutsche Konditorenbund Ralf Heermann für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement mit der Goldenen Ehrennadel aus.

„Sie werden heute von den Pflichten Ihrer Ausbildungszeit freigesprochen – nicht aber von der Verantwortung, die Ihr Beruf mit sich bringt“, betonte Obermeister Bernd Bücker in seiner Ansprache. Der Weg bis zum Abschluss habe Präzision, Ausdauer und Leidenschaft erfordert. Fehler gehörten dabei ebenso zum Lernen wie Kreativität und handwerkliches Können. Als Konditorinnen und Konditoren schafften die jungen Erwachsenen weit mehr als Torten und Pralinen – sie sorgen für Genuss und begleiten Menschen mit ihren Produkten bei den schönsten Momenten ihres Lebens.

Wie wichtig dabei nicht nur das eigene Können, sondern auch ein gutes Netzwerk ist, betonte Bettina Schliephake-Burchardt, Präsidentin des Deutschen Konditorenbundes. Sie war eigens für die Feier nach Iserlohn gekommen und ermutigte die jungen Fachkräfte, den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen zu suchen und die Innung als Netzwerk zu nutzen. Gleichzeitig warb sie dafür, sich später selbst ehrenamtlich einzubringen und andere junge Menschen für das Konditorenhandwerk zu begeistern.

Mit dem erfolgreichen Abschluss sei nun eine wichtige Grundlage für die berufliche Zukunft gelegt, machte auch Markus Märtens, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis, deutlich. In einer Zeit industrieller Fertigung seien Kreativität, Individualität und hochwertige Handwerksprodukte gefragter denn je. Technik könne zwar unterstützen – Talent, die Leidenschaft und das Gespür eines Konditors jedoch nicht ersetzen.

Ein weiterer Höhepunkt der Freisprechungsfeier war die Ehrung von Ralf Heermann. Für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement verlieh ihm Bettina Schliephake-Burchardt die Goldene Ehrennadel des Deutschen Konditorenbundes – eine Auszeichnung, die nur selten vergeben wird. „In diesem Jahr habe ich sie erst zwei Mal verliehen“, betonte die Präsidentin des Konditorenbundes. Seit 1992 bringt sich Ralf Heermann im Prüfungsausschuss ein, viele Jahre davon als Vorsitzender. Auch im Meisterprüfungsausschuss wirkt er mit. Bettina Schliephake-Burchardt hob hervor, wie unverzichtbar das Ehrenamt für die Ausbildung im Handwerk sei. Bernd Bücker würdigte Heermann als verlässlichen Wegbegleiter, der sich über Jahrzehnte mit großem Einsatz für den Berufsnachwuchs eingesetzt habe.

Die Ausbildung abgeschlossen haben:
Lea Pauline Wirger (Goldbäckerei Grote, Balve), Fiona Menzel und Sophia Repp (Tortenatelier Schwanbeck, Iserlohn), Falk Poeten und Vivienne Neufeld (Andre Krengel Konditormeister, Arnsberg), Hannah Steinrücken (Bücker‘s Backmanufaktur, Geseke), Gregor Maria Timphus (Konditorei und Café Spetsmann GmbH, Iserlohn), Franziska Sophie Hübler (Harnischmacher Conditorei + Café, Attendorn), Hanna Belke (Gregor Heimes Bäckerei, Lennestadt) und Laureen Hempel (Bäckerei Konditorei Niehaves GmbH & Co. KG, Wickede).

Seminar: Erfolgsfaktor „Gesundes Führen“

Der Erfolg eines Unternehmens hängt maßgeblich von motivierten und leistungsfähigen Mitarbeitenden ab. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels und einer älter werdenden Belegschaft gewinnt eine wertschätzende und gesundheitsfördernde Führungskultur immer mehr an Bedeutung. Wer seine Mitarbeitenden stärkt und langfristig an den Betrieb bindet, schafft eine wichtige Grundlage für die Zukunft.

In diesem Seminar erhalten Sie praxisnahe Anregungen, wie Sie mit Ihrem Führungsverhalten die Gesundheit und Motivation Ihrer Beschäftigten positiv beeinflussen können. Sie erfahren, wie Führung und Gesundheit zusammenhängen, lernen Ihre eigenen Gesundheitsressourcen besser kennen und erhalten konkrete Impulse, um Ihre Mitarbeitenden gezielt zu unterstützen. So sind Sie bestens auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet.


Inhalte des Seminars

  • Zusammenhang von Führung und Gesundheit verstehen
  • Eigene Gesundheitsressourcen aufbauen und nutzen
  • Unterstützung der Mitarbeitenden – Einflussmöglichkeiten erkennen
  • Wertschätzendes Feedback geben

Informationen zum Seminar

Datum: 30. September 2026, 14-18 Uhr

Ort: Handwerkerstr. 2, 58638 Iserlohn

Referentin: Marika Köhler

Veranstalter: Kreishandwerkerschaft MK gemeinsam mit der IKK Classic

Das Seminar ist für Innungsfachbetriebe kostenlos!

Nicht-Innungsmitglieder zahlen 69,99 € (zzgl. MwSt.)

Zur Anmeldung

 

 

 

 

„Ihr seid die Zukunft“ Friseur-Innung Märkischer Kreis feiert Fachkräftenachwuchs

Aus Lernenden werden Fachkräfte: Bei der Freisprechungsfeier der Friseur-Innung Märkischer Kreis im „Haus des Handwerks“ in Iserlohn haben neun Absolventinnen und Absolventen ihren erfolgreichen Ausbildungsabschluss gefeiert.

Obermeisterin Zdenka Schwabbauer gratulierte den Nachwuchsfachkräften und machte deutlich, dass der Gesellenbrief weit mehr als eine Urkunde sei: „Er ist die Anerkennung für Ihre Leistung, Ihr Wissen und die Erfahrungen, die Sie während Ihrer Ausbildung gesammelt haben.“ Mit ihrer Entscheidung für das Friseurhandwerk hätten sie einen kreativen Beruf gewählt, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht. Gerade in einer Zeit, in der vieles digitalisiert und automatisiert werde, bleibe der persönliche Kontakt unverzichtbar. „Keiner kann Vertrauen und echte Begegnungen ersetzen“, betonte die Obermeisterin.

Auch der Prüfungsausschuss richtete einige Worte an die frischgebackenen Gesellinnen und Gesellen und blickte gemeinsam mit ihnen nach vorn: „Ihr seid die Zukunft.“ Anschließend überreichte Zdenka Schwabbauer gemeinsam mit Mitgliedern des Prüfungsausschusses die Zeugnisse und Gesellenbriefe und sprach sie feierlich von ihren Ausbildungspflichten frei.

Die Ausbildung abgeschlossen haben:
Lisa Marie Burbach (André Schwabbauer, Iserlohn), Sanaa Ibrahim, Samer Marjan und Aitadzh Mamedova (BZH Märkischer Kreis gGmbH, Iserlohn), Sueda Kibar (Andi´s Hairteam, Iserlohn), Saad Hussein (R. P. Bubert Friseurbetrieb GmbH, Lüdenscheid), Ceren Karakus (Denis Karakus Haarstudio flhair, Lüdenscheid), Jana Sophie Kirsch (Jacob Riepegerst, Lüdenscheid) und Merve Özcan (Cut & Color – Klier Hair Group GmbH, Lüdenscheid).