(v.l.) Lars Quenzel, Christian Will, Tobias Strätgen, Kay Schlüter, Willy Hesse, Dirk H. Jedan, Reiner Nolten, Jochen Renfordt, Garrelt Duin, Dr. Ulrich Cichy, Ass. Andreas Fabri und Thomas F. Bock.Einen Minister, der mit dem Erdbeereis in der Hand in Richtung Pralinen und Marzipan schlendert, bekommen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Konditorei Spetsmann in Iserlohn nicht alle Tage zu sehen. Am vergangenen Montag schaute Garrelt Duin, seines Zeichens Minister für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes NRW, an der handwerklichen „Basis" vorbei. Die gemeinsame Veranstaltung des Ministeriums und der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis bot im Rahmen der Handwerksinitiative NRW ein abwechslungsreiches Programm mit Betriebsbesuchen und Podiumsdiskussion.

Besuch in der Konditorei Spetsmann in Iserlohn: (v.l.) Kreishandwerksmeister Christian Will, Hauptgeschäftsführer Dirk H. Jedan, Handwerksminister Garrelt Duin und Bernd Bücker.Garrelt Duin zeigte sich von der „Basis" durchaus angetan: „Man sagt an so einer Stelle ja immer was Nettes, aber mal im Ernst: So ein leckeres Eis hab ich selten gegessen." Inhaber Bernd Bücker strahlte und verriet das Erfolgsrezept: „Frische Erdbeeren!" Während des Rundgangs durch die Backstube lobte Minister Duin immer wieder: „Sehr beeindruckend, welch große handwerkliche Qualität hier geboten wird." In Gesprächen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erfuhr der Minister, wie Blätterteig hergestellt und Marzipan modelliert wird. Natürlich durfte der prominente Politiker auch gleich selber Hand anlegen. Der zuständige Geselle war begeistert: „Die Croissants verkaufe ich nachher mit Aufpreis." Gerne ließ sich Duin von Bernd Bücker über die Geschichte der Iserlohner Konditorei aufklären, die 1939 von Karl-Heinz und Änne Spetsmann als Café gegründet worden war.

Besuch in der Lauer Harz Werkzeugtechnologie in Lüdenscheid: (v.l.) Kreishandwerksmeister Thomas F. Bock, Handwerksminister Garrelt Duin und Kurt Harz.Zuvor hatte Minister Garrelt Duin bereits die Firma Lauer Harz Werkzeugtechnologie in Lüdenscheid besichtigt. Inhaber Kurt Harz erläuterte seinem prominenten Besuch im Rahmen eines kleinen Rundgangs die Arbeitsabläufe und Funktionsweisen im Unternehmen. Lauer Harz beschäftigt mittlerweile 30 Mitarbeiter und kann auf einen umfangreichen Maschinenpark verweisen. Viele Arbeitsvorgänge sind hochtechnisiert und werden am Computer geplant. „Da muss man schon wissen, wo man hin klickt." staunte Garrelt Duin, als er einem jungen Mann über die Schulter schaute. Damit das so klappt, sei eine solide Ausbildung Grundvoraussetzung, ergänzte der junge Mann.

Im Gegensatz dazu fällt immer wieder auch reichlich Handarbeit an. Da wird geklopft, gehämmert und zusammengesetzt. Kurt Harz betont: „Wir sind immer noch Werkzeugmacher im eigentlichen Sinne, auch wenn sich der Beruf weiterentwickelt hat." Minister Garrelt Duin freute sich: „Es ist faszinierend, dass das Traditionelle noch einen wesentlichen Teil der Arbeit einnimmt."

„Das Handwerk spielt in NRW eine hervorragende Rolle – auch in der Ausbildung" war sich Duin nicht erst im Anschluss an die beiden Betriebsbesichtigungen sicher. Deshalb rief er dazu auf, Unternehmen der Region zu unterstützen, auch wenn die Preise manchmal etwas höher seien. Nichtsdestotrotz müssten auch qualitativ hochwertige Produkte wirtschaftlich lohnenswert absetzbar sein.

(v.l.) Diskutierten über Fördermöglichkeiten im Handwerk: (v.l.) Tobias Strätgen, Kay Schlüter, Minister Garrelt Duin, Reiner Nolten, Philipp Enste und Lars Quenzel.Im Anschluss an die Betriebsbesichtigungen warteten bereits zahlreiche Gäste im „Haus des Handwerks" der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis, um Minister Garrelt Duin beim Zukunftsforum mit dem Titel „Erfolgreiches Handwerk – Nicht ohne mich!" willkommen zu heißen." Im Anschluss an die Begrüßung durch Kreishandwerksmeister Christian Will eröffnete Duin mit der markigen Ansage „Der Meisterbrief ist ein Qualitätsmerkmal und muss erhalten bleiben!" und erntete zustimmenden Applaus. Krisen, so erläuterte er, würden Deutschland in vergleichsweise geringem Maße treffen, „weil wir unter anderem eine so hohe Qualität im Handwerk haben." Studium und duale Ausbildung seien gleichermaßen erstklassig, deshalb müsse man immer wieder auf die Vielfalt der dualen Ausbildung hinweisen. Oftmals, betonte Duin, sei es nur ein Image-Problem: „Das Handwerk beinhaltet eine Vielfalt an Berufen, die in der Realität anders sind, als man sich das vorstellt."

Hinzu komme ein starkes Engagement neben dem eigentlich Beruf: „Im Handwerk merkt man mehr als irgendwo sonst, wie sehr es auf das Ehrenamt ankommt." Eine Studie habe einen volkswirtschaftlichen Nutzen von 5,2 Mrd. Euro pro Jahr errechnet. Besonders im Handwerk gelte: „Wer gut ist, engagiert sich meist auch noch ehrenamtlich. Das hält die Gesellschaft zusammen, deshalb bin ich gerne Handwerksminister."

Moderator Reiner Nolten, Geschäftsführer der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks e.V., begrüßte schließlich die Jung-Unternehmer Tobias Strätgen, Strätgen-Metallbau aus Menden, und Lars Quenzel, Elektrotechnik Quenzel aus Schalksmühle, als Teilnehmer der Diskussionsrunde. Beide waren sich einig, dass der Meisterbrief als Qualitätsmerkmal zum Handwerk gehört. „Da hängen bei uns Leben von ab, deshalb muss der Meisterbrief als Pflicht bestehen bleiben." wies Lars Quenzel auch auf Sicherheitsaspekte im Elektro-Bereich hin. Im gleichen Atemzug plädierten beide für eine kontinuierliche Weiterbildung während des gesamten Berufslebens. „Die Zeit muss man sich nehmen" so Strätgen.

Dieser hat sein Unternehmen ohne Unterstützung der öffentlichen Hand gegründet, während Quenzel die Meistergründungsprämie in Anspruch genommen hat. Diese wird jungen Handwerksmeistern vom Land NRW und der Europäischen Union als Starthilfe gewährt. „Sie können sich aber sicher sein, dass wir immer ein offenes Ohr für Sie haben, wenn es Förderungsbedarf gibt." gab Garrelt Duin den beiden Jung-Unternehmern mit auf den Weg.

Das sah auch Berater Philipp Enste von der NRW.BANK so, der betonte: „Eine Förderung muss Sinn machen." Ein niedriges Zinsniveau sei im Moment sowieso gegeben und bei weitem nicht das einzige Ziel. Die NRW.BANK sei in dieser Hinsicht breit aufgestellt und biete viel für Existenzgründer, lasse aber auch existierende Unternehmen nicht im Stich. Kay Schlüter, Berater der Handwerkskammer Südwestfalen, appellierte an Existenzgründer, sich vor Inanspruchnahme eines Kredites gründlich zu informieren. „Sie gehen dann mit einem ganz anderen Wissensstand in die Gespräche mit den Banken."

Abschließend dankte Kreishandwerksmeister Thomas F. Bock allen Beteiligten für die Veranstaltung, die vielfältige Aspekte des Handwerks abdeckte und einen gelungenen Einblick in die Praxis bot.

 

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