Handwerk und Finanzwesen – Zerrbild beim Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft grade gerückt
„Banking ist kein Selbstzweck!“ – Diese Feststellung überraschte beim Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis kaum einen der rund 130 Gäste aus Handwerk, Politik und Wirtschaft. Vielmehr zeigte sich, dass Festredner Werner Böhnke mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben ist und ein durchaus realistisches Bild von seiner Berufsbranche vertritt.
Der Vorstandsvorsitzende der WGZ BANK AG referierte im Haus des Handwerks unter dem Titel „Mache Deine Kunden erfolgreich – Zur Rolle der Banken in Zeiten der Krise“. Und er warnte ein ums andere Mal vor einer Verallgemeinerung seines Berufsstandes: „Es gibt nicht die Banken, genauso wenig wie es die Politiker und die Journalisten gibt.“
Grundsätzlich räumte er ein, dass die Finanzkrise das Vertrauen in die Branche und ihre Protagonisten schwer beschädigt habe: „In meiner Branche gibt es Schwierigkeiten mit den Grundrechenarten – bei einer Bank im Süden wurden offenbar Plus und Minus verwechselt“. Dies sei jedoch nur das Bild auf den ersten Blick. Er könne die Kritik an den Banken nachvollziehen, gab jedoch zu bedenken, dass eine Pauschalisierung nicht gerechtfertigt sei.
„Jene Banken, die Tag für Tag solide, verantwortungsbewusst und im Sinne der Menschen und der Volkswirtschaften arbeiten und nun für alles herangezogen werden, was andere verursacht haben“ stellte Werner Böhnke eindeutig als Opfer heraus. Er appellierte an seine Zuhörer, das „Zerrbild“ der Banken in der Gesellschaft zurecht zu rücken. Gleichzeitig forderte er die Banken auf, sich „wieder eindeutig zu ihrer dienenden Funktion zu bekennen“. Daraus resultiere dann auch wieder die entsprechende Wahrnehmung. Und nicht zuletzt riet Böhnke: „Bei allem, was Sie tun, lassen Sie stets den gesunden Menschenverstand walten.“
Zu Beginn der Veranstaltung hatte Kreishandwerksmeister Hans-Joachim Künzel die Gäste unter dem Motto „Auf der Walz“ begrüßt. Er schlug den Bogen von zwei auf Aquarell festgehaltenen Wandergesellen hin zum Handwerk, das ebenso mit Freude und Zuversicht in die Zukunft gehe. Dabei seien die Werte „Tüchtigkeit“ und „Ehrlichkeit“ im allgemeinen Handwerksbetrieb ebenso wichtig wie unter den Gesellen auf der Walz. Künzel zog eine zufriedene Bilanz: „Es geht uns gut“, mahnte jedoch an „gleichwohl wir uns Sorgen machen.“ Dabei bezog er sich sowohl auf die geplante Gewerbesteuererhöhung als auch auf die Nachwuchssorgen im Handwerk.
Das Schlusswort der Veranstaltung blieb KH-Hauptgeschäftsführer Dirk H. Jedan vorbehalten, der das Handwerk als Stabilitätsfaktor der Wirtschaft herausstellte und das duale Ausbildungssystem als „Paradebeispiel“ lobte, das in der ganzen Welt einzigartig sei. ‚Jedan forderte eine Gleichwertigkeit schulischer und beruflicher Bildung und machte sich noch einmal für den Weiterbau der A46 stark.
Im Anschluss wurde der traditionelle Tafelspitz serviert und in gemütlicher Runde diskutiert, an deren Ende das „Märkische Meisterbrot“ gegen eine kleine Spende für einen guten Zweck verteilt wurde.
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