Projekt ALINA ist gestartet – Ein Blick hinter die Kulissen
Donnerstag, 31. Juli 2025
Wie gelingt moderne Ausbildung im Handwerk angesichts von Fachkräftemangel, sprachlichen Barrieren und einer immer vielfältigeren Auszubildendengruppe? Das Projekt ALINA – Adaptiver Lernassistent für Intelligente Nachwuchsausbildung – das im Juli im bbz gestartet ist, entwickelt eine innovative Lösung dafür: eine KI-basierte Lernassistentin, die individuell unterstützt, motiviert und Orientierung bietet.
Federführend ist dabei das bbz, das die Projektkoordination und operative Umsetzung übernimmt. Gemeinsam mit weiteren Projektpartnern wird der Ausbildungs-Buddy in den nächsten drei Jahren – am Beispiel des Kfz-Gewerks – entwickelt.
Wir haben uns mit Rebecca Rottinghaus, die gemeinsam mit Maike Schutzeichel für das Projekt zuständig ist, unterhalten. Sie hat uns hinter die Kulissen des Projekts blicken lassen und uns einige Fragen beantwortet.
Was sind Ihre Aufgaben im Projekt ALINA?
„Ich bin für das Organisatorische zuständig. Zurzeit bedeutet das noch, viel zu strukturieren und zu planen, da wir ja noch ganz am Anfang stehen. Außerdem befassen wir uns mit der Anforderungsanalyse, d.h. was ALINA alles können soll.
Da der Chatbot am Beispiel eines Kfz-Kurses entwickelt wird, ist meine Kollegin, Maike Schutzeichel, für die fachlichen Inhalte zuständig und ist dabei auch viel im Austausch mit dem Ausbilder Dominik Ihme.“
Was ist das Hauptziel von ALINA?
„Das Hauptziel ist die interaktive, individuelle Lernbegleitung, d.h. die vertiefende, außerunterrichtliche Vermittlung von Lerninhalten. Besonders wichtig ist uns dabei, dass sprachliche Barrieren überwunden werden können. Das bedeutet, dass mit ALINA (vorerst) in den Sprachen Deutsch, Englisch, Arabisch und Ukrainisch kommuniziert werden kann. Fragen können sogar in der Muttersprache gestellt werden, wenn die Deutschkenntnisse nicht ausreichen und sie antwortet dann auch in dieser Sprache. Aber nicht nur das: Sie kann ihr Sprachniveau anpassen und je nach Sprachkenntnissen und Wissensstand ihre Antworten einfacher oder komplexer gestalten. So kann man nicht nur seine Sprachkenntnisse verbessern, sondern auch neue Fachbegriffe lernen.
Außerdem soll ALINA dabei helfen, die Ausbilder zu entlasten, indem sie Auskunft zu organisatorischen Fragen und Ansprechpersonen gibt.“
Welche langfristigen Effekte erhoffen Sie sich durch den Einsatz des Ausbildungs-Buddys?
„ALINA soll die Auszubildenden beim alltäglichen Lernen unterstützen. Teilnehmende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, brechen deutlich häufiger die Ausbildung ab. Wir erhoffen uns, dass wir mithilfe von ALINA eine höhere Chancengleichheit der Azubis erreichen, den Ausbildungserfolg steigern und die Abbruchquote verringern können.“
Wie funktioniert ALINA technisch – was soll die KI konkret können?
„Sie kann personalisierte Lerninhalte erstellen und diese an den Wissensstand, das Sprachniveau und den Lerntyp anpassen. Jeder Azubi hat ein Profil, in dem persönliche Daten von ihm gespeichert sind, unter anderem auch die „Lern-Vorlieben“, also wie jemand am besten lernen und Dinge verstehen kann. ALINA kennt diese Informationen und bereitet die Inhalte dann entsprechend auf. Dabei können auch Dokumente hoch- bzw. heruntergeladen werden.
Außerdem kann sie bei der Prüfungsvorbereitung helfen und organisatorische Informationen zu Prüfungen, Ansprechpartnern etc. geben.“
Wie wird ALINA in den Alltag integriert?
„Es ist eine App, die man auf dem Handy haben kann. Die Azubis können ihr während des Ausbildungsalltags ihre Fragen zu praktischen und fachlichen Inhalten stellen und sie antwortet ihnen. So können die Ausbilder entlastet werden.“
Wie wird sichergestellt, dass die Inhalte verständlich und praxisnah sind?
„Maike Schutzeichel ist ausgebildete Kfz-Mechatronikerin. Sie stellt die Inhalte zusammen und steht in engem Austausch mit dem zuständigen Ausbilder, der sie fachlich unterstützt.“
Werden auch Auszubildende in die Entwicklung eingebunden?
„Ja, in den späteren Projektphasen stehen wir im engen Austausch mit Teilnehmenden und führen Evaluationen und Tests durch, um dafür zu sorgen, dass der Chatbot möglichst praxistauglich ist.
Zwei Mitglieder des Projektteams werden im November an einem Kfz-Kurs teilnehmen, um sich ein Bild davon zu machen, wie der Werkstattalltag aussieht und wie das Ganze in der Praxis funktionieren könnte.“
Wie geht’s jetzt weiter?
„Neben einigen organisatorischen Dingen kümmern wir uns zunächst um die Anforderungsanalyse. Das bedeutet, wir analysieren, was didaktisch, technisch und fachlich gebraucht wird. Außerdem legen wir fest, was mit den Azubis und Ausbildenden besprochen werden muss. Wir stehen wöchentlich mit den Projektpartnern im Austausch, die sich um die technische Umsetzung kümmern und halten uns auf dem aktuellen Stand.“
Gibt es Pläne, ALINA auch in andere Gewerke oder Bildungsbereiche zu übertragen?
„Wenn ALINA offiziell gestartet ist und wir positive Rückmeldungen bekommen, ist es unser Ziel, sie auch auf weitere Kurse und Gewerke ausweiten zu können.“
Abschließend würden wir noch gerne wissen: Was begeistert Sie persönlich am Projekt am meisten?
„Ich finde das Projekt sehr spannend, weil ich die Möglichkeit als Lernende damals selbst gerne gehabt hätte. Zu jeder Zeit Fragen stellen und sich informieren zu können ist eine tolle Möglichkeit. Außerdem finde ich es cool, dass das Lernen so individuell und persönlich gestaltet werden kann; das kann vielen Lernenden eine große Hilfe sein.
Generell wird es, glaube ich, sehr spannend, an einem Projekt mit KI mitzuwirken und Einblicke in die Umsetzung zu bekommen.“
